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Im Zauber der Sirenen

  

von Tricia Rayburn

Genre:  Fantasy
Reihe:  1. Teil
Verlag:  Ullstein (2010)
Sprache:  deutsch
übersetzung:  Ulrike Nolte
ISBN:  978-3548282848
Bindung:  Taschenbuch
Seiten:  368


Kurzbeschreibung: Während ihrer Sommerferien an der Küste Maines stößt Vanessa auf ein dunkles Geheimnis: Die Frauen von Winter Harbor können mit ihrem magsichen Gesang Männer verzaubern. Auch Simon, Vanessas große Liebe, gerät in ihren Bann. Als mehrere Männer tödlich verunglücken, begreift Vanessa, dass sie es mit mörderischen Sirenen zu tun hat. Kann sie die unheimlichen Wesen aufhalten, bevor ein weiteres Unglück geschieht?


Erster Satz:

Meine Schwester Justine war immer der Meinung, Angst vor der Dunkelheit ließe sich am besten bekämpfen, indem man so tat, als sei es in Wirklichkeit ganz hell.


Rezension: Jeden Sommer verbrachte Vanessa mit ihrer gut aussehenden, allseits beliebten Schwester Justine sowie den Brüdern Caleb und Simon die Ferien an Maines Küste. Doch in diesem Sommer war alles anders.
Nach dem Tod ihrer Schwester Justine gerät das Leben von Vanessa und ihren Eltern aus den Fugen. Während ihr Vater und ihre Mutter auf ihre Weise trauern, wird Vanessa von den Gedanken geplagt, dass irgendetwas nicht stimmt. Nicht nur, dass sie seltsamerweise Justines Stimme hört, sie muss auch erfahren, dass ihre Schwester nicht diejenige war, die alle kannten. Um den Geheimnissen auf die Spur zu kommen, macht sie sich allein auf den Weg zurück an den Ort des Geschehens.
Zurück in Winter Habor muss Vanessa feststellen, dass noch mehr Geheimnisse auf sie warten. Caleb ist verschwunden und seltsame Wetterphänomene treten auf. Simon, der klimaforschende Student, ist der Einzige, der ihr zur Seite steht. Zusammen ergründen sie die Ereignisse und kommen sich dabei stetig näher.

Der Stil der Autorin ist leicht und flüssig. So wird dem Leser ermöglicht, sich ohne Probleme in die Geschichte einzulesen, obwohl es zu Beginn an Spannung fehlt und ich mich selbst sehr schwer damit getan habe, am Ball zu bleiben. Der rasante Einstieg mit Justines Tod endet abrupt und die Charaktere werden zwar klar dargestellt, bleiben aber ohne Tiefgang und sind typisch amerikanisch. Doch Dranbleiben lohnt sich. Während die Charaktere an Konturen und Tiefe zulegen, entwickelt sich auch die Geschichte selbst weiter und erlebt eine Steigerung. Die zweite Hälfte des Buches liest sich dementsprechend schnell und zügig und bietet allerhand Spannung. Allerdings wird oftmals die Lösung vorweggenommen und somit bleibt vieles vorhersehbar. Im Wechsel hierzu stehen Passagen, die ich als reine Lückenfüller empfunden habe. Abschließend betrachtet hat das Buch es geschafft, mich ab der zweiten Hälfte mit den Geschehnissen, der Spanung und nicht zuletzt aufgrund des ausgereiften Schreibstils zu fesseln.

Was ich persönlich weiterhin als ausbaufähig betrachte, ist die Charakterentwicklung. Vanessa, ein Angsthase deluxe, entwickelt auf einmal Mut, Selbstbewusstsein und steht auf eigenen Beinen. Eine abhängige und unselbständige Person, die zudem noch mit dem Verlust ihres "Ankers" im Leben konfrontiert wird, bricht nicht zusammen und verkriecht sich, sondern geht in die Offensive. Der Wechsel ist zu krass und trotz der Ich-Perspektive von Vanessa nicht vollständig nachvollziehbar. Ich möchte betonen, dass ich es begrüßt habe, dass Vanessa nicht als hilfloses, weinerliches Wrack dargestellt wurde. Es war interessant und erfrischend zu lesen, dass Vanessa trotz all ihrer Ängste eine Weiterentwicklung durchgemacht hat. Nur kam mir persönlich der Wechsel zu unausgereift daher.

Simon ist ein interessanter und sympathischer Charakter. Wissenschaftlich interessiert, aber nicht der langweilige Strebertyp und auch nicht der perfekte und gutaussehende Collegeboy. Ein ganz normaler Typ eben und daher umso sympathischer. Lediglich die Tatsache, dass auch Simon ohne Zaudern und Zögern akzeptieren kann, dass es für die unerklärlichen Phänomene eine nicht-wissenschaftliche Erklärung gibt, gab mir zu denken. Dafür, dass er aktive Forschung betreibt und sich der Naturwissenschaft verschrieben hat, findet er sich recht schnell mit den Tatsachen ab. Das alles empfinde ich als unausgereigt und hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Trotz allem sind die Charaktere gelungen und sympathisch und der Leser kann sich ohne Weiteres in sie hineinversetzen und mit ihnen agieren.

Insgesamt gefällt mir die Idee des Buches und der Schreibstil. Sirenen sind neben den ganzen Vampiren, Werwölfen, Engeln und Feen mal was ganz Neues, wobei die Umsetzung der alten Sagen und die Einbettung in die Neuzeit der Autorin durchaus gelungen sind, da sie auf eine romantische Verklärung des Mythos verzichtet hat. Auch die Art und Weise, wie sich die Liebesgeschichte entwickelt, empfand ich als Teenager-gerecht und keineswegs unrealistisch oder zu stark zugespitzt. Die Aufklärung in Bezug auf Justines Charakter und die Hintergründe zu den Vorkommnissen empfand ich in Bezug auf den Plot und den Informationen, die der Leser erhält, als gut durchdacht und gelungen.

Das Buch ist in sich abgeschlossen, dennoch ist Ende des Buches teilweise offen gehalten und es bleiben einige Fragen ungeklärt. Dies kann dem Leser natürlich durchaus negativ aufstoßen, aber laut einiger weniger Informationen, soll das Buch in einer Reihe fortgesetzt werden. Sollte sich dies bestätigen, kann sich der Leser damit trösten, dass die Fragen hoffentlich im nächsten Band beantwortet werden und die Hintergründe noch detaillierter aufgegriffen werden. Halten die folgenden Bände das Niveau des Ersten ab dem Punkt, wo es spannend wurde, so kann sich dem Leser eine durchaus vielversprechende Reihe mit einem neuartigen Thema bieten.

Insgesamt fand ich das Buch sehr ansprechend und kann es Neugierigen empfehlen, die eine Alternative zu den derzeit aktuellen Themen suchen und trotzdem gern Fantastisches lesen möchten und nicht vor Jugendbüchern zurück schrecken. Über die kleinen Schwächen, die Auftaktbände bzw. Erstlingswerke oftmals aufweisen, kann ich getrost hinwegsehen und eine Leseempfehlung aussprechen. Sollten weitere Bände erscheinen, werde ich garantiert einen Blick auf diese werfen.

Bewertung:


Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an die Ullstein Buchverlage!

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