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Russisch Blond

  

von Mascha Pawlowitsch

Genre:  Humor
Reihe:  ----
Verlag:  Knaur (2009)
Sprache:  deutsch
übersetzung:   Natalia Liublina
ISBN:  978-3426639931
Format:  Taschenbuch
Seiten:  368


Kurzbeschreibung: »Sie hatte aufgehört, Haute Couture zu tragen, und besaß nur noch blamable drei Handtaschen aus dieser wunderbaren Kollektion …« Die junge Moskauerin Rita hat ein Problem: Sie wurde von ihrem schwerreichen Freund abserviert und muss nun dringend eine neue Geldquelle auftun. Da Partnerwahl aber keine Glückssache ist, nimmt sie das Objekt ihrer Begierde planmäßig ins Visier: Die FORBES-Liste mit den reichsten russischen Männern kommt ihr gerade recht, und es beginnt eine aufregende Reise an die ägyptische Sonnenküste und ein Spiel, dessen Hauptgewinn hoff entlich Mr. Right ist...


Erster Satz:

An diesem unglückseligen Morgen riss Rita Litini endgültig der Geduldsfaden.


Rezension: Als Moskauer It-Girl hat man es wahrlich schwer im Leben. Rita Litini - eine üppige, sinnliche Blondine - wurde von ihrem "Prinzen" verlassen und steht nun vor der Herausforderung, ihr Luxusleben allein meistern zu müssen. Unvorteilhaft, wenn Frau keinen Mann zur Hand hat, der sich um die Finanzen kümmert. Und im hohen Alter von 25 darf man sich wahrlich keine Fehler erlauben, wenn es darum geht, sich finanziell hochzuschlafen. Natürlich nicht zu vergessen, die schmerzliche Schmach, einmal von einem reichen Mann sitzen gelassen worden zu sein. Und das auch noch für eine Jüngere.

So beginnt der Einstieg ins Buch und dem Leser wird, auf stark überspitzte und selten komische Art, das ganze Ausmaß von Ritas Katastrophe näher gebracht. Und die liebe Rita wäre keine echte Moskauerin, wenn sie nicht auch einen Plan hätte, wie man sich aus dieser Situation befreit. Erst einmal muss natürlich ein geeigneter Kandidat gefunden werden und eine entsprechende Strategie der Verführung entwickelt werden - Ritas Spezialgebiet. Was liegt also näher, als sich die Forbes Liste mit den reichsten Männern Russlands mal etwas genauer anzuschauen?! Gesagt, getan und der glückliche Auserwählte ist schnell gefunden.

Alexander Wlassow: 31 Jahre alt, Aussehen unbekannt, großes Vermögen - immerhin Nr. 13 auf der Liste. Und da man als It-Girl natürlich auch die richtigen Freundinnen hat, die sich in exklusiven Moskauer Kreisen bewegen, werden schnell noch weitere Details in Erfahrung gebracht. Leider hat unser Wunschkandidat ein kleines Handicap: er verabscheut doch tatsächlich seinen Reichtum und verbringt seine Freizeit lieber irgendwo auf dem Globus mit Extremsport wie bspw. Tauchen. Unverständlich für Rita, doch kein Hindernis, sondern eine Herausforderung. Wenn er sein Geld nicht will, Rita nimmt es gern.
So denn setzt Rita alles daran, ihren Plan in die Tat umzusetzen, Frau Wlassow zu werden. Mit Hilfe ihrer Freundinnen Lalja und Julika investiert sie in einen Tauchkurs samt Ausrüstung sowie einer einfachen Garderobe - billige Fetzen, wie Rita meint - und setzt sich in den Flieger nach Ägypten, wo sich der Angebetete aufhalten soll. In Ägypten beginnt das große Spektakel - die Suche nach dem schwerreichen, unbekannten Mr. Wlassow. Und als wäre das nicht Herausfordeurng genug, wird der Leser in ein Verwirrspiel aus Täuschung und Tarnung hineinkatapultiert. Denn es kommen insgesamt 5 potentielle Männer als Wlassow in Frage und es gilt, den Richtigen unter ihnen zu finden.

Der Leser bekommt die Handlung aus Ritas Sicht geschildert und muss sich dementsprechend mit ihren Gedanken und Ansichten auseinander setzen, die derart überspitzt und überzogen sind, dass ich persönlich mehr als einmal fuchsteufelswild geworden bin über das verwöhnte kleine Blondchen. Ich habe einen ukrainischen Ehemann und viele russische Freunde und ich erkenne durchaus die Wahrheit über russische Mädchen und deren Mentalität - wunderbar verpackt und wiedergespiegelt in den Charakteren des Buches. Allen voran in Rita. Und dennoch ist das für mich der große Knackpunkt des Buches. Was ich anfangs als wunderbar zynisch und dementsprechend unterhaltsam empfand, wurde auf Dauer einfach nur nervig. Das Buch hat zwischenzeitlich einige Längen und da erwünsche ich mir ein Vorankommen der Handlung und nicht die tausendste innere Abhandlung von Rita hinsichtlich Luxusleben und Rechte russicher Frauen auf einen sorgenfreies Leben.

Das auch die potentiellen Kandidaten nicht mit offenen Karten spielen und das eine oder andere Geheimnis haben, war abzusehen und Ritas Suche nach Hinweisen ist derart langatmig und plakativ geschrieben, dass ich mir als Leser des Öfteren gewünscht hätte, dass sie doch einfach mal direkt fragen würde! Denn somit wären mir die geistigen Analysen Ritas erspart geblieben. Die Art und Weise, wie die Autorin versucht, die Klischees zu verpacken, hat definitiv Potential und normalerweise stehe ich auf zynisch überspitzte Charaktere und dergleichen. Aber mir kam es so vor, als hätte der Witz nachgelassen und es wurde zu oft mit ein und demselben naiven Klischee gespielt. Und Wiederholungen ohne neue Überraschungen und kreativen Wortwitz langweilen mich nun einmal. Was nützt mir eine zwangsweise humorvolle Schreibweise ohne Abwechslung und Spannung? Die Geschehnisse dümpeln so dahin, es gibt ein Hin und Her zwischen den Kandidaten, aber keine Fortschritte. Ansätze für neue Überraschungen sind da, wie beispielsweise das Auftreten eines neuen, möglichen und mysteriösen Kandidaten, doch ich persönlich empfand diese Wendungen nicht immer wirklich logisch. Auch widerspreche ich anderen Rezensenten, die der Handlung Tiefgang und Amüsanz zusprechen. Ich persönlich definiere Tiefgang dann doch anders. Amüsant ist das Buch bisweilen wirklich, aber für meinen Geschmack zu platt!

Ein Lichtblick im Buch ist die Tatsache, dass sich Rita in diesem Verwirrspiel in einen der Kandidaten verliebt und ich als Leser aufgeatmet habe. Denn meine Erwartung betraf die Charakterentwicklung Ritas: würde sie "erwachsen" werden, alle Klischees über Bord werfen und einfach mal auf sich selbst und ihre Gefühle achten? Das hätte sehr interessant werden können. Leider kratzt die Autorin weiterhin nur an der Oberfläche und bei dem Versuch, weiter überspitzte Klischees der russischen Prinzessin mit aller Macht humorvoll bis zum Ende als wesentlichen Bestandteil des Buches beizubehalten, lassen keine tiefgründige Charakterentwicklung zu. Zwar macht Rita im Verlauf ihres Aufenthalts in Ägypten einige charakterliche Veränderungen durch, bleibt sich im Grunde aber trotzdem immer treu - wiedereinmal Potential für interessante Chraktergestaltung und doch nicht zu meiner Zufriedenheit umgesetzt. Lediglich die Tatsache, dass es der Autorin gelungen ist, keinen literarischen, moralischen Zeigefinger zu heben, finde ich angemessen umgesetzt, denn so bleibt das Buch über die gesamte Länge seiner Einfachheit und klischeehaften Oberflächlichkeit treu. Auch gestehe ich der Autorin zu, dass sie mit ihrer Darstellung durchaus den realen Gegebenheiten und der Mentalität der russischen High Society gerecht wird, aber das allein war nicht ausreichend für eine ironische Parodie. Ein teils nicht so recht geglückter, für den Leser durchaus ermüdender Versuch.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich sehr wohl mit einer nicht zu hohen Erwartung ans Buch herangegangen bin und mich auf einfache, unterhaltsame Lektüre eingestellt habe. Doch trotz eines humorvollen, wunderbar zynischen und überspitzten Einstiegs, hat das Buch stark nachgelassen. Ich schiebe es auf die einseitige Charaktergestaltung und langatmige Handlung ohne wahre Höhen. Hingegen konnte mich das Ende doch nochmals überraschen, auch wenn ich aus gewissen Gründen nicht ganz glücklich damit bin. Es gibt eine Wendung, mit der so ohne Weiteres absolut nicht zu rechnen war. Jedoch die Reaktion und der Umgang der Protagonistin Rita mit dieser Offenbarung ist zu einfach, zu glatt, ohne wirkliche Emotion und hat mich verstimmt. Mir kann doch niemand weiß machen wollen, dass Rita diese Sache so einfach hinnimmt und wegsteckt. Ich an ihrer Stelle wäre emotional aufgewühlt gewesen, wäre mir regelrecht verarscht vorgekommen und hätte mich tierisch darüber aufgeregt, zum Spielball anderer gemacht worden zu sein. So war das Positivmoment des überraschenden Handlungswechsels also schnell wieder vorbei.

Ich mag einfache, leicht unterhaltsame Lektüre - doch auch diese einfache Unterhaltung muss gekonnt umgetzt sein, damit ich ein Buch genießen kann. Und irgendwie war es insgsamt doch zu platt, es fehlte mir etwas. Es fällt mir irgendwie schwer, genau mit Worten auszudrücken, dass mir das Buch und die Grundidee schon gut gefallen haben, aber es trotzdem Punkte gibt, die selbst diese einfachste Unterhaltungslektüre "negativ belasten". Insgesamt ist das Buch jetzt doch schlechter weggekommen, als beabsichtigt. Ich habe es als Urlaubslektüre mitgehabt und durchaus schöne Lesezeit am Strand damit verbracht - es ist keinefalls so total schlecht wie der Eindruck, den meine Rezension eventuell vermittelt, aber trotzdem ist es jetzt auch kein Buch mit "Aha-Momenten". Abschließend kann ich mich dazu hinreißen lassen, dem Buch durchaus unterhaltsame Momente zuzusprechen und es als angenehme Urlaubslektüre zu bezeichnen. Aber so wie "Russisch Blond" seine Stärken hat, hat es meiner Meinung nach auch einige gravierende Schwächen. Die Diskussion, inwiefern sich die Übersetzung auf das Buch auswirkt, erspare ich mir jetzt. Ich weiß aus Erfahrung, dass die russische Sprache sehr viel mit witzigen Wortspielen und Analogien arbeitet, aber die Übersetzerin ist dem Namen nach russischer Herkunft, sodass ich ihr eine sinngemäße, gute Übersetzung nicht absprechen will. Mein Fazit lautet also: kann man lesen, muss man aber nicht!

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