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In den Armen der Nacht

  

von Christina Dodd

Genre:  Fantasy | Romance
Reihe:  2. Teil Darkness Chosen
Verlag:  Blanvalet (2009)
Sprache:  deutsch
übersetzung:   Beate Darius
ISBN:  978-3442372607
Format:  Taschenbuch
Seiten:  384


Kurzbeschreibung: So lange schon wartet Ann auf die passende Gelegenheit, ihrem Chef ihre Liebe zu gestehen, dass sie die Chance beim Schopfe packen will, als sie ihm eines Tages nach Feierabend noch schnell ein eiliges Fax überbringen muss. Doch ihr Chef ist nicht mehr der Mann, den sie zu lieben glaubte – er ist ein Wolf! Und er weiht Ann in ein grausames Geheimnis ein, das seine Familie seit Jahrhunderten hütet; und nur sie kann ihn von jenem Familienfluch befreien.


Erster Satz:

Jahrhundertelang verbreiteten die Kosaken unter den Völkern Zentralaisens Angst und Schrecken, allen voran die Varinskis, eine Dynastie gnadenloser Eroberer, die raubten, plünderten, vergewaltigten und mordeten.


Rezension: Das Thema Gestaltwandler ist mittlerweile weit verbreitet und es gibt unzählige Bücher hierzu. Auch Christina Dodd hat sich mit ihrer 4-Bändigen Reihe diesem Thema gewidmet. Das Cover des Buches "Nachtschwarze Küsse" ist gut gelungen hinsichtlich der dunklen Atmosphäre, aber das war es auch schon an Bezügen zum Inhalt. Und ansonsten ist das Cover absolut nicht mein Fall - einfach nichtssagend! Zum Inhalt werde ich vorweg ein bisschen ausholen, bevor ich dann meinen Senf zum Buch ablasse.

Hintergrund der Reihe ist der sagenumwobene Mythos der Familie Varinski, ukrainische Kosaken, die in Zentralasien stets Schrecken verbreitet haben. Der Ur-Vater der Varinskis, Konstantin, hatte einen ehrfürchtigen Ruf als brutaler Mörder und Söldner. Selbst der Teufel hörte von seinen Greueltaten und war mehr als "not amused" darüber, dass die Leute voller Angst von Konstantin Varinski sprachen und ihm als "wahren Teufel" bezeichneten. Um seinen guten Ruf fürchtend, hatte der Teufel den Plan, sich der Varinskis zu entledigen. Doch stattdessen kommt es zu einem Pakt. Konstantin Varinski bot dem Teufel an, dessen Botschaft in die Welt zu tragen - Schrecken, Mord, Plünderung und dergleichen - und im Gegenzug solle er der Familie übernatürliche Kräfte, Gesundheit und ein langes Leben ermöglichen. Um den Pakt zu besiegeln, stahl Konstantin Varinski die Familien-Ikone und schreckte selbst vor dem Mord an seiner eigenen Mutter nicht zurück, um den Pakt mit Blut zu besiegeln. Doch wie jede Sage, gibt es hier ein Funken Hoffnung. Auf dem Sterbebett verfluchte die Mutter ihren Sohn und sprach von dem Einen aus dem Blut der Varinskis, der den Untergang herbeiführen wird. Der Teufel wusste um die Macht des Fluches einer Sterbenden, der zudem mit Blut besiegelt wurde, und zerstörte die Ikone und verteilte die Teile in alle Himmelsrichtungen, auf dass der Pakt niemals gebrochen werden kann. Die Prophezeiung jedoch besagt, dass eines Tages Varinskis ihre wahre Liebe finden, die Ikone in den Schoß der Familie zurückbringen und den Pakt somit brechen werden.

Jahre später, in einer kalten sibirischen Nacht, verfällt Konstantin Varinski, Nachfahre des ersten Konstantin und ebenso berüchtigt, der Zigeunerin Zorana und verliebt sich in sie. Damit sind weder die Zigeuner einverstanden, die ihrer "Heiligen" beraubt worden sind, noch die Varinskis selbst. Es beginnt eine Hetzjagd auf das abtrünnige Liebespaar und die beiden sind gezwungen, auszuwandern und sich unter falschem Namen in Amerika niederzulassen. Mittlerweile leben Konstantin und Zorana Wilder mit ihren 4 Kindern: Jascha, Rurik, Adrik und Firebird in Amerika und führen ein sehr gut laufendes Weingut.

Der erste Teil der Reihe befasst sich mit dem ältesten Sohn Jascha und seiner Sekretärin Ann, die unsterblich in ihn verliebt ist, wie sie selbst beteuert. Eines Nachts ist sie geschäftlich auf dem Weg zu ihm und unter mehr als ungünstigen Umständen muss sie feststellen, dass Jascha übernatürliche Kräfte besitzt und sich in einen Wolf verwandeln kann. Fortan kämpft sie an seiner Seite für den Schutz der Familie, findet - wie vorhersehbar - die Ikone und wird mit in den Kampf und die alte Prophezeiung verstrickt. Eine Hetzjagd beginnt und dabei sind nicht nur die Varinskis, sondern der Teufel höchst persönlich ihre Gegenspieler.

Die Grundidee des Buches - Mythos einer alten Legende, ein Teufelspakt und die vielfältigen Gestaltwandler - finde ich äußerst spannend und hat meiner Meinung nach unglaubliches Potential. Und insgesamt sind mir die Passagen im Buch, wenn der Leser immer mehr in die Geschichte der Varinskis einbezogen wird und Details der Prophezeiung erfährt, am liebsten. Diese sind Stück für Stück im Buch verstreut, wie ein Puzzle, das nach und nach zusammen gesetzt wird und machen die Spannung des Buches aus. Die Charaktere und der Schreibstil lassen jedoch zu wünschen übrig.

Ann ist ein unglaublich anstrengender, zeitweilen nervtötender Charakter. Die Phasen, in denen sie von ihrer ach so schrecklichen Vergangenheit gequält wird, wechseln mit Phasen, in denen sie als toughe, vor Selbstbewusstsein überstrotzende Superfrau daherkommt. Diese Mischung sorgte bei mir leider dafür, dass ich Ann keine wirkliche Tiefe zusprechen kann und ihre Entwicklung mir mehr als unlogisch vorkam. Warscheinlich sollte sie die Rolle des "tortured Hero" im Buch übernehmen - ein von seiner Vergangenheit geplagter Charakter, der den Weg zu sich selbst und zur Liebe findet. Quasi von der grauen Maus zur Alphawölfin. Stellenweise gab es aber auch lichte Momente. Einige Passagen, in denen Ann mit sich selbst spricht versprühen einen gewissen ironischen Charme und ich mag Heldinnen, die dazu neigen, die Geschehnisse mit sarkastischen Bemerkungen zu benennen. Insgesamt hätte ich mir einfach eine Schritt für Schritt Entwicklung für Ann gewünscht, anstatt dem wechselnden Auf und Ab.
Für meinen Geschmack wieder mal großes Potential in den Sand gesetzt. Jascha hingegen hat mir etwas besser gefallen. Aufgrund seines Status als ältester Sohn und damit Erstgeborenem, ist er sehr dominant und ein Alpha-Männchen. Diese Eigenschaft seines Charakters bestimmt sein Auftreten und seine Handlungsweise. Er ist zugleich etwas ungestüm und ruppig, aber auch charmant sexy. Und für ihn spricht, dass ich die ganze Zeit ein Bild von einem sexy Werwolf vor Augen hatte. Kopfkino und so *grins*

Tja zum Thema Handlung kann ich vorab eins loswerden: Kopfschütteln versus potentiell interessant. Wie bereits erwähnt, die Hintergrundgeschichte finde ich wirklich interessant, aber wie so oft schwach in der Umsetzung. Mal davon abgesehen, dass mich die Hauptprotagonistin Ann ziemlich genervt hat, wird auch ihre und Jascha´s Geschichte unflüssig und fragwürdig erzählt. Es beginnt bereits damit, dass Ann nach der Entdeckung, dass Jascha ein Gestaltwandler ist, von ihm förmlich zu Tode erschreckt und gejagt wird. Dabei hat Madame nichts anderes im Kopf, als dass ihr Outfit ruiniert ist. Ehm, dass Stöckelschuhe und Abendkleid hinderlich auf einer Flucht sind, wäre ein in dieser Situation angebrachter Gedanke. Und damit noch nicht genug, haben die beiden dann auch erstmal bei strömenden Regen mitten im Wald Sex - er ist zwar ein großer bedrohlicher Wolf, der sie fast zu Tode gehetzt hat, aber hey sie liebt ihn ja... Das war für mich ein kleiner Knackpunkt. Sie ist heimlich in ihn verliebt, er hat bisher absolut keine Notiz von ihr genommen und auf einmal ist es die große Liebe. Da hätte für meinen Geschmack ruhig etwas mehr Zeit in die Entwicklung der Liebesbeziehung investiert werden können. Aber auch an dieser Stelle mal was Positives. Die beiden sind an sich ein tolles Liebespaar und es gibt wirklich einige schöne Szenen mit den beiden. Das ist auch der Grund, warum dieses Buch mich zum Weiterlesen bewogen hat und ich die Geschichte nicht absolut verteufeln kann.
Dennoch zieht sich das Hin und Her durch die ganze Geschichte: er ist ein Gestaltwandler und eigentlich ist das kaum fassbar, die Familie ist in Gefahr und Ann die Auserwählte MUSS sie einfach retten, sie liebt ihn oder etwa nicht (?), aber der Sex ist wahnsinnig toll und oje was wird er nur von ihr halten, wenn er ihr ach so schreckliches Geheimnis erfährt. Und zwischendurch darf die Bedrohung durch die Varinskis natürlich nicht fehlen. Kombiniert mit einer leider eher miesen Ausdrucksweise. Viele Sätze, Formulierungen usw. wiederholen sich oftmals. Und mal abgesehen davon, dass man mir nicht ständig sagen muss, wie dominant Jascha ist, wie geplagt Ann an sich selbst zweifelt und wie wichtig die Ikone ist, bietet die deutsche Sprache genug Möglichkeiten sich vielfältig auszudrücken. Ich möchte niemanden verteufeln, aber ich schiebe es mal ohne Kenntniss des Originals auf die Übersetzung. Ungeheuerlich, ich weiß, aber damit habe ich eine schöne Ausrede gefunden, dem Buch insgesamt eine Chance zu geben.

Was mir sehr gefallen hat, ist die Familie Wilder (eigentlich Varinski) und ihr Umgang miteinander. Sie verkörpern so wunderbar russische Klischees mit Warmherzigkeit, Liebe und Mut - nicht bereit aufzugeben und voller Hoffnung auf die Prophezeiung. Die Auseinandersetzungen zwischen Konstantin und Zorana und die Balgereien zwischen den Söhnen, wenn sie wieder ins Kindsein verfallen, sind so herzlich und authentisch beschrieben, dass ich als Leser mit der Familie bange und hoffe, sie mögen endlich ihr Glück finden. Das macht die Charaktere insgesamt sehr sympathisch und verleiht der Geschichte einen gewissen Charme. Ebenso die immer mal wieder im Laufe der Story gestreuten Hinweise auf das Ausmaß des Paktes und die Hintergründe erhalten die Spannung und ließen mich am Ball bleiben.

Insgesamt also ein Buch mit verdammt viel Potential, wie ich es eigentlich mag: eine mystische Familiensaga und ein Teufelspakt als Grundlage, sexy charmante Gestaltwandler und eine Liebesgeschichte. Die Idee aus fantastischen Elementen kombiniert mit Romantik, die zum Teil zwar etwas einsilbig, aber dennoch überzeugend beschriebenen "Begegnungen" zwischen Jascha und Ann sowie der Hauch von Gefahr und Mythos hinterließen bei mir trotz aller Kritik den Eindruck, dass ich eine "nette" Geschichte gelesen habe. Sie hat alles, was ein Buch normalerweise braucht, um mich bei Laune zu halten. Leider scwächelt es in Bezug auf Ausdruck und Charakterentwicklung und das Potential wurde meiner Meinung nach nicht ausreichend ausgeschöpft. Da mich die Sache mit dem Teufel, den Varinskis und der Prophezeiung sowie eine insgesamt sympathische, zum Aufgeben nicht bereite Familie allerdings gepackt hat, werde ich auch die weiteren Bände lesen. Denn ich bin gespannt, wie sich das fortsetzt und welche Geheimnisse noch auf mich warten.

Wer also solche Elemente wie Gestaltwandler, Prophezeiung und wahre Liebe im Bereich Romance / Fantasy mag und sich nicht so sehr an Ausdruck und charakterlichen Schwächen stört, der ist bestens mit diesem Buch beraten. Ich bin momentan nun mal in einer Phase, in der ich auf Ausdruck viel wert lege und wo mich selbst kleine Sünden arg zu stören scheinen. Kein absolutes Highlight, aber auch nicht total mies. Für mich kann ich abschließend sagen, dass ich ein schönes Buch gelesen habe, auch wenn der Unterhaltungswert zwischendurch ab und an etwas getrübt wurde.

Bewertung:

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